Und schon geht’s wieder los!

Nach langer Zeit des Stillstandes habe ich diese Woche endlich wieder an einem Kundenauftrag gearbeitet. Dabei handelt es sich um einen Massivholztisch aus Eiche, dessen Platte eine Stärke von 50 mm hat.

Der Unterschied zwischen Holz und Tischler?                                                                                                Holz arbeitet !

Genau dort fängt der Spaß an, vorausgesetzt man beachtet ein paar einfache Regeln. Es empfiehlt sich bereits beim Holzkauf für ein solches Projekt, darauf zu achten, Mittelbretter oder noch besser Kernbretter, also Holz mit stehenden Jahrringen auszusuchen. So kann man sich mit geschultem Blick schon viel Ärger ersparen. Nach dem Grobzuschnitt des Holzes solltet ihr euren Ofen mit Markröhre, Splint und einem 20 cm Anschnitt füttern, sonst könnt ihr eine gerade, rissfreie Platte vergessen. Das Verleimen ist immer ein Knackpunkt! Kern an Kern und Splintseite an Splintseite ist genauso wichtig, wie auf den Wuchs und die Maserung der einzelnen Teile zu achten. Mit ein paar Lamellos zwischen den Stößen spart ihr viel Zeit beim Hobeln und Schleifen.

Wenn sich die Hektik vom Verleimen gelegt hat, ist es noch nicht vorbei. Ich habe die Tischplatte auf der Unterseite, mit der Handkreissäge längs geschlitzt, um der 50 mm Eiche Kraft zu nehmen. Außerdem wurde ein L-Stahl eingelassen und verschraubt, um die Platte gerade zu halten.

Selbst mit all den Maßnahmen lässt es sich nicht zu 100% verhindern, dass das Holz arbeitet, auch wenn wir im Homeoffice sind.

Gestaltungsmöglichkeiten

Das Schöne am Tischler- beziehungsweise Schreinersein ist unter anderem,  dass man seine kreative Gestaltungsader untermauert mit dem entsprechenden Fachwissen voll ausleben kann.  Es gibt so unendlich viele verschiedene Möglichkeiten, ein Möbel durch Maße, Form, Materialauswahl und vieles mehr zu gestalten. Die meisten denken bei der Gestaltung sofort an verschiedene Oberflächen und die Nutzung von verschiedenen Farben, Lacken, Beizen, Lasuren und so weiter. Dabei kann man schon bei der Bearbeitung des Materials viele verschiedene Dinge beachten und sein handwerkliches Geschick zeigen. Natürlich wird dabei heutzutage auch die CNC-Technik und CAD-CAM-Anbindung genutzt, um die betrieblichen Projekte bestens auszuarbeiten.

Hier seht ihr eine CNC-Fräsung einer Lisenenart.

Und um das Ganze nachher noch besser darzustellen, wird die Fräsung des Lisenensockels mit Gold hinterlegt.

Oder hier seht ihr Rahemtüren

… mit einer Füllung aus Krokodilleder. Natürlich kein echtes Krokodil, sondern nur imitiertes 😉

Oder prunkvolle Kranzprofile, Schnitzereien und Lisenen! Und hier wurde noch nicht mal ansatzweise die Oberflächengestaltung in Bezug auf Farben usw. begonnen.

Unser Gewerk ist einfach unglaublich vielfältig, macht jede Menge Spaß und bietet  verschiedenste Aufgabenbereiche.

Also, Tischler/ Schreiner werden lohnt sich. Traut euch!

Homeschooling

In Zeiten von Corona kann auch bei uns in der Berufsschule der Unterricht nicht wie gewohnt stattfinden. Um mit den Lerninhalten allerdings nicht in Rückstand zu geraten, findet der Unterricht seit einigen Wochen von zu Hause aus statt.

Einmal pro Woche sind wir dafür über Microsoft Teams innerhalb unserer Klasse mit unserem Lehrer verbunden. Über diese Plattform lassen sich Chats, Besprechungen, Notizen und Anhänge miteinander kombinieren.

Die eingestellten Aufgaben werden von uns über den Tag bearbeitet und anschließend per Videochat mit unserem Lehrer besprochen.

Zwar sitzt man bei der Bearbeitung der Fragen im ersten Moment allein da und kann nicht immer direkt auf eine Erklärung durch den Lehrer hoffen, aber das hat auch den Vorteil, dass man sich intensiver mit den einzelnen Themen auseinandersetzt.

Zu einem bestimmten Lernfeld bearbeiten wir dabei fachbezogene Fragen, erstellen Skizzen und Zeichnungen von Hand und fassen einzelne Themengebiete anschließend zusammen.

Das Schöne an dem Ganzen ist, dass man sich seinen Arbeitsplatz selbst aussuchen kann.

Einfach wäre ja langweilig!

Nach langer Planung stand letzte Woche die Vorstellung des Meisterprojektentwurfs in meinem Terminkalender.

Dazu gehört nicht nur das Meisterstück, sondern es muss ebenso der Raum, in dem es später beim Kunden stehen neu gestaltet, renoviert und umgebaut werden. Für diese ganzen Leistungen müssen dann auch Angebote eingeholt werden, um später ein Gesamtangebot machen zu können.

So umfasste die Mappe zur Vorstellung bereits eine räumliche Darstellung des Projektes, einen Grundriss, Angebote verschiedener Gewerke, die Kalkulation für das Meisterstück, das Gesamtangebot, sowie Ansichtszeichnungen und Detailzeichnungen des Meisterstückes.

Was werde ich als Meisterstück bauen?

Als Meisterstück werde ich ein sechseckiges Terrarium bauen, welches wiederum auf einem dreibeinigen Tisch steht. Wie ihr sehen könnt, sind auch viele Schnitzereien und filigrane Details geplant.

Auch ein kleines Muster kommt bei der Präsentation gut an.

Was ihr jedoch nicht seht, ist die Technik, die mit eingebaut ist. Denn unter dem Zierwerk muss noch eine Beleuchtung und eine Belüftung versteckt werden. Gesteuert wird das Ganze dann über eine Zeitschaltuhr, die in einem Schubkasten im Tisch verbaut ist. Außerdem muss eine der sechs Glasflächen als Tür geöffnet werden können.

Beim Holz habe ich mich für einen schönen Nussbaum aus der Region entschieden.

Alles in allem wird es ein straffes Programm bis Mitte Juli fertigzuwerden. Ich bin gespannt ob alles so klappt wie geplant.

Aufgabenvielfalt

Es gibt jede Menge verschiedene Handwerksgewerke, doch mit Abstand wird kein anderes so umfassend sein wie das Tischler-, Schreinergewerk. Jeder neue Arbeitstag stellt uns vor vielfältige und komplexe Aufgaben. Klar kennt man das eine oder andere schon, doch es passiert nicht gerade selten, dass auch schon langjährige Meister in ihrem Arbeitsalltag mit ganz neuen Aufgaben konfrontiert werden. Denn es ist kein Geheimnis, dass das Tischler-, Schreinergewerk viele Querverbindungen zu anderen Gewerken aufweist. Daher hat ein guter Tischler/Schreiner meist nicht nur gute Kenntnisse von seinem eigenen Handwerk, sondern ebenfalls von vielen anderen Gewerken, zumindest einige Grundlagen. Ganz schön anspruchsvoll oder?

Doch aus eigener Erfahrung kann ich euch sagen, dass es auch sehr interessant und spannend ist. Auf einer Montage könnt ihr zum Beispiel auf kleine Arbeiten im elektrotechnischen Bereich treffen oder ihr müsst einen Wasseranschluss eines Waschbecken ab- und wieder anklemmen, oder ihr müsst euch vorsichtig durch eine Fliese bohren oder oder oder … Zwar gibt es auf der Montage mehr gewerksübergreifende Tätigkeiten, aber auch im normalen Produktionsverlauf treten sie auf. So bekam ich beispielsweise vor Kurzem den Auftrag, die Elektroverkleidungen, sprich Steckdosen, Lichtschalter, Netzwerkdosen, etc. passend zu unseren Möbeln zu lackieren. Ich hatte zuvor noch nie Kunststoffteile lackiert. Und erst recht nicht zweifarbig und in Metalliclack. Aber seht selbst:

Zwei solcher Lackwagen mussten also von mir in zwei verschiedenen Farbtönen und mit Klarlack lackiert werden. Ganz schön viel Arbeit für ein paar Kunststoffdosen …

Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Die Module bestehen immer jeweils aus einem Metallic-Kupfer-Farbton und einem Bronze-Farbton. So wirkt nachher unsere gesamte Raumgestaltung harmonisch und stimmig! Die Möbel für die Räumlichkeiten sind gerade noch in der Produktion, aber auch von diesen werde ich euch berichten.

Manchmal muss es wehtun!

Jeder Mensch sollte es als seine Pflicht ansehen, so wenig  Abfall und Ausschuss wie möglich zu verursachen. Ein großer Faktor in der Klimakrise ist der aktuell vorherrschende „Wegwerfkonsum“ der Weltbevölkerung.

Bei unserer Fertigung macht auch die Oberflächenbehandlung einen großen Teil der Arbeit aus. Diverse Lacke, Farben, Beizen etc. werden dafür von geübter Hand aufgebracht, geschliffen und poliert. Da jedes Schiff, welches wir ausbauen, ein bestimmtes einzigartiges Design erhält, passiert es nur sehr selten, dass die vorhandenen Chemikalien für mehrere Projekte verwendet werden können. Um trotzdem für eventuelle Nachbesserungen, Reparaturen oder Garantiefälle vorbereitet zu sein, werden die Reste im sogenannten „Lack-Container“ aufbewahrt. Wenn eine Firma  immer größer wird, muss folglich auch ihr Lack-Container wachsen. Perfektes Timing, wenn da gerade ein kräftiger Lehrling in der Oberfläche aushilft, und beim Umräumen und Aussortieren vom alten in den neuen Container mit anpacken kann. Schmerzhaft wiederum für ihn, wenn er dabei eimerweise die exotischsten, aber leider bereits abgelaufenen Mischungen in den Müll gießen muss. Doch „Watt mutt, datt mutt!“

Mit der Zeit härten die Lacke aus, sodass ein Abtransport möglich ist.

Ist das Kunst oder kann das weg?

Spieglein, Spieglein an der Wand

Da unser Betrieb durch die derzeitige Situation kaum Aufträge bekommt, kann ich euch leider wenig Einblick in meinen Berufsalltag geben, dafür umso mehr über eigene Projekte berichten.

In der vergangenen Woche war wieder etwas Zeit, um aus Restholz etwas Schönes zu schaffen. Meiner Wohnung fehlte im Eingangsbereich noch ein Spiegel, den ich beim Glaser in dem von mir benötigten Maß bestellte. Diesen kombinierte ich mit Baumkanten die ich zunächst von der Rinde befreit, danach gefälzt, geschliffen und mit Hartwachsöl versiegelt habe. Anschließend wurde der Spiegel mit entsprechendem Kleber im Falz der Baumkanten fixiert. Das fertige Stück habe ich mit Hängeleisten an der Wand  befestigt.

        

Zusätzlich habe ich noch eine kleine Schuhablage gefertigt, diese besteht aus vier Seiten auf Gehrung und einem Boden aus Siebdruck-Multiplex und wurde mit Quarzsteinen aufgefüllt.

       

Nistkästen für den guten Zweck

Bei uns in der Schreinerei werden gerade Nistkästenbausätze produziert, um einen guten Zweck zu unterstützen. Die Idee dahinter:  Interessierte Familien, denen so langsam die Decke auf den Kopf fällt, können die Zeit produktiv nutzen, um mit ihren Kindern ein eigenes Vogelhaus zu bauen. So leisten wir hoffentlich einen weiteren Teil als Unternehmen im Kampf gegen das Virus und tun neben auch etwas gegen den kontinuierlich sinkenden Vogelbestand.
Das Material und alle innerbetrieblichen Kosten werden selbstverständlich gespendet. Ein großes Dankeschön gilt an dieser Stelle dem Fachverband NRW, der diese Aktionen in der Region erst ins Rollen gebracht hat und die Betriebe wie gewohnt tatkräftig unterstützt.

Und so sieht das Ganze aus: Der Bauplan ist übersichtlich und einfach gestaltet

Hier liegen die einzelnen abholbereiten Sets …

Und so sehen sie am Ende aus 😉
Was haltet ihr von dieser Aktion?